TELL ES-SAFI / GAT

 

Sie  können bei den Ausgrabungen selbst teilnehmen!
Grabungserfahrung oder Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Jedes Jahr wird auf dem Tell für vier Wochen gegraben.
Dabei beteiligen sich Studierende der Bar-Ilan-Universität, sowie Volontäre aus der ganzen Welt,
darunter Studenten, Hausfrauen, Rentner. Die nächste Saison findet statt
vom 4. bis 30. Juli 2010.
Die Kosten belaufen sich auf ca. 300 € pro Woche. Darin ist Unterkunft in einem Kibbutz und Verpflegung mit Vollpension enthalten.
Möglich ist eine Teilnahme für zwei, drei oder vier Wochen. 

Alle Einzeheiten finden Sie hier,
sowie über den Weblog des Grabungsprojekts http://gath.wordpress.com.

Zur offiziellen Website des Tell es-Safi/Gath Archaeological Projekt

Zu einem persönlichen Bericht über die Grabung 2005 (und über die Situation im Land) gelangen Sie hier.

 

Der Tell

"Tell" nennt man im Orient einen historischen Siedlungshügel, der durch Anhäufung von Kulturschutt im Laufe meist vieler Jahrhunderte entstanden ist. Der Tell es-Safi ist in diesem Sinn eigentlich kein Tell, denn er umfasst einen natürlichen, großen und in der Landschaft sehr markanten Hügel, auf dem sich erstmals wohl im Chalkolithikum (Kupfersteinzeit, 4. Jahrtausend v. Chr.) Menschen ansiedelten.

Schon 1899 führten der in Beirut geborene Amerikaner Frederick Bliss und der erst 21-jährige Ire Robert Macalister im Auftrag des britischen Palestine Exploration Fund erste Grabungen am Rand des arabischen Dorfes durch, das sich damals noch über Teile des Hügels erstreckte. Dabei fanden sie charakteristische, rot und schwarz bemalte Keramik, die der deutsche Archäologe Hermann Thiersch erstmals als typische Philisterware identifizierte.

Beinahe einhundert Jahre später, 1996, startete Prof. Aren Maeir von der Bar-Ilan-Universität (Ramat Gan bei Tel Aviv) ein groß angelegtes Grabungsprojekt. Seitdem werden bei jährlich im Sommer stattfinden Grabungskampagnen größere Bereiche des Tells untersucht - mit beeindruckenden Resultaten: Vor allen Dingen aus der Spätbronzezeit (ca. 1500-1200 v. Chr.), als Ägypten Kanaan dominierte, und aus der Eisenzeit I und II (1200-700 v. Chr.) werden Überreste einer offenbar bedeutenden Stadt freigelegt. Während der Eisenzeit bewohnten die Philister die Stadt, und wie es scheint, handelt es sich beim Tell es-Safi um das "Gat der Philister" (Amos 6,2) - ihre, zumindest aus israelitischer Inlandperspektive, wichtigste Stadt.

Der Tell liegt strategisch bedeutsam genau dort, wo die Küstenebene in das Niederhügelland (hebr. Schefelá) übergeht und damit nahe an dem von den Israeliten besiedelten, judäischen Bergland. Unmittelbar am Tell fließt ein kleines Bächlein vorbei, das zwischen den Hügeln das Terebinthental der Bibel formt (Luther übersetzte den hebr. Baumnamen Elá mit "Eiche"). Dort setzt die biblische Überlieferung den Schauplatz des Zweikampfes zwischen David und Goliat an.

Nach dem Untergang der Philister um 600 v. Chr., die  - wie ihre judäischen Erzfeinde - von Nebukadnezar in die Gefangenschaft nach Babylon geführt wurden, blieb der Tell lange unbewohnt. In Byzantinischer Zeit (4.-7. Jh. v. Chr.) befand sich in seiner Umgebung ein christliches Dorf mit dem aramäischen Namen Saphita. Der Name konnotiert offenbar die topografisch herausgehobene Position des Hügels (von sph, "spähen"); gleichzeitig nimmt er die Semantik des arabischen safi vorweg, das "hell, glänzend, weiß" bedeutet und mit den auffälligen, weithin sichtbaren, grellweißen Kreidefelsen an den westlichen Abhängen des Tells in Verbindung gebracht wird. Auch die Kreuzfahrer, die im 12. Jahrhundert n. Chr. eine Burg oben auf der Spitze des Hügel errichteten, nannten diese Blanche Garde (frz.) oder Alba Specula (lat. "weiße Aussicht"), und den Hügel selbst Mons Clarus ("heller Berg").

Die Jahrtausende lange Siedlungsgeschichte des Tells endet erst 1948, als das palästinensische Dorf Tell es-Safi dem Israelischen Unabhängigkeitskrieg zum Opfer fiel. Arabische Familien leben nach wie vor in der Umgebung, als israelische Staatsbürger. Ihr Oberhaupt, Scheich Yunis el-Azzi, unterstützt die Grabungen, die sich dem gemeinsamen Erbe des Landes widmen.

Der neu eingeführte hebräische Name des Tells lautet Tel Zafit, wird aber im wissenschaftlichen Sprachgebrauch kaum verwendet.

 

Gat

Die Hebräische Bibel berichtet, dass die Philister in ihrem Hauptsiedlungsgebiet im Land, entlang der südlichen Küste mit ihrem Hinterland, politisch in fünf Hauptorten ("Pentapolis") organisiert waren: Gaza, Aschkelon, Aschdod, Ekron und Gat. Die ersten drei Städte an der Küste sind heute noch, bzw. wieder, bewohnt. Ekron konnte durch die Grabungen von Trude Dothan und Seymour Gitin (1981-1996) mit dem Tel Miqne (bei Kibbutz Revadim) identifiziert werden. Nur die Lage von Gat war lange Zeit umstritten. Der erste, der vorschlug, Gat auf dem Tell es-Safi zu lokalisieren, war James Porter, der 1857 das alte Philistien bereiste. Bliss und Macalister (s. oben) sahen diese Annahme durch ihre eigenen Untersuchungen vor Ort bestätigt und Thiersch unterstützte sie ebenso. Dennoch hielten sich weiter Zweifel, die auch heute noch nicht restlos ausgeräumt sind. Die Grabungen von Maeir bestätigen jedoch eindrucksvoll, dass es sich bei Tell es-Safi um eine der größten und bedeutendsten Philisterstädte gehandelt haben muss, sodass eigentlich keine Alternative zu Gat mehr in Frage kommen kann. Was als letzter Beweis noch fehlt, wäre ein Textfund, der die Lokalisierung hieb- und stichfest belegen würde.

Der hebräische Name Gat (auch "Gath" geschrieben) bedeutet "Kelter" und wird in der Bibel für verschiedene Orte gebraucht. Auch der Garten Getsemane vor Jerusalem enthält denselben Namensbestandteil (< Gat-schemanim, "Öl-Kelter", "Olivenpresse"). Deshalb verwendet Amos, zu einer Zeit, als die Philister die Herrschaft über Gat bereits verloren hatten, den Namen mit spezifizierenden Zusatz "Gat der Philister" (Am 6,2). In ägyptischen Ortsnamenlisten ist Gat seit dem 15. Jahrhundert v. Chr. mehrmals belegt (Knt), wobei nicht immer gesichert ist, um welches Gat es sich handelt. In den akkadisch geschriebenen Amarnabriefen aus dem 14. Jahrhundert heißt Gat Gimti oder Ginti.

Die Philister kamen in der Frühen Eisenzeit, ab ca. 1200 v. Chr., nach Gat und machten die Stadt zu einem ihrer fünf Hauptorte. Während zunächst das nur 8 km entfernte Ekron Gat an Beduetung übertraf, änderte sich dies ab ca. 1000 v. Chr., und Gat stellte nun ihrerseits Ekron in den Schatten. Die Hebräische Bibel berichtet davon, dass das am Rand des Philisterlandes und nahe den judäischen Bergen gelegene Gat unter dem Dauerkonflikt zwischen Philistern und Israeliten besonders zu leiden hatte. Schon David, der zunächst als Flüchtling bei König Achisch von Gat Asyl gesucht hatte, habe die Stadt später eingenommen (1 Chr 18,1); Rehabeam (2 Chr 11,8) habe sie befestigt. Am Ende des 9. Jahrhunderts v. Chr. belagerte der Aramäerkönig Hasael von Damaskus Gat und eroberte es (in diesen Zusammenhang gehört vermutlich der beeindruckende Graben, der vor kurzem um den Tell herum identifizert werden konnte). Danach soll Usija Gat noch einmal für Juda eingenommen haben. Die Philister haben sich jedoch immer wieder behauptet, bis die neue Großmacht Assyrien unter Sargon II. 711 v. Chr. Gat endgültig zerstörte.

Die übrigen Philisterstädte existierten noch gut einhundert Jahre weiter. Ekron nahm nun, nach dem Ende von Gat, erneut an Bedeutung zu. Nach den Assyrern kam das Land noch für kurze Zeit unter ägyptische Herrschaft, bevor dann um 600 v. Chr. die Babylonier die gesamte Region unterwarfen, und die Geschichte der Philister endet.

Gat in der Bibel

 

Bilder 2005 / 2006: 

Tell es-Safi vor 1948

Der Tell von Süden

Blick vom Tell über die Schefela zu den judäischen Bergen

Blick vom Tell über die Küstenebene

Das Terebinthental bei Socho

Der Tell von Osten

Der Tell von Westen

Mittelalterliche Schmuckperlen

Ein Kreuzfahrergrab

Volontäre

Papierkram

Ägyptische Scherbeninschrift

Skarabäus

Öllampe

Einige Funde aus der Philisterzeit

Grabungsleiter Aren Maeir

Besucher: Staatspräsident Katzav, mit Gattin, links der deutsche Botschafter

Besucher: Archäologin Trude Dothan, die "Königin von Ekron"

Besucher: Archäologe William Dever

Schriften entziffern

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