
DIE PHILISTER
Palästina: das "Philisterland"
Das Alte Testament kennt die Philister, peliStim, als Widersacher und Konkurrenten Israels um die Vorherrschaft im Land. Sie werden schwerpunktmäßig in der südlichen Küstenregion Palästinas lokalisiert, wo sie die Hauptorte Gaza, Aschkelon, Aschdod, Ekron und Gat einnehmen. Zum Ende der Eisenzeit, mit dem Verlust ihrer politischen Selbständigkeit durch Assyrer und Babylonier, verliert sich auch ihre ethnische Identität. Nur der Name Palästina, der üblicherweise auf die Philister zurückgeführt wird und erstmals bei Herodot im 5. Jh. v.Chr. als Syría Palaistinē, das palästinische Syrien, überliefert ist, bleibt in Erinnerung. Auf das gesamte Land ausgeweitet, wird er zum Synonym für das „Land Israel“.

Die Herkunft der Philister
Über die Herkunft der Philister macht die Bibel indes nur vage Angaben (Am 9,7: Kaphtor [Kreta]). Hier sind es ägyptische Texte, und z.T. Reliefdarstellungen an Tempelwänden, die über das Geschehen in der Spätbronzezeit, im 13. und 12. Jh. v. Chr., informieren. Allerdings sind die Aussagen der Texte in ihrer Historizität und in ihrem Interpretationspotential umstritten. Die frühere Forschung hat aus ihnen ein in sich abgerundetes Gesamtbild herausgelesen: Demnach hätten sich verschiedene Völkerschaften, unter ihnen die Philister, aus ihren ursprünglichen Lebensräumen, den Inseln des östlichen Mittelmeeres aber auch der Festlandregionen nördlich davon, zu einer Art Völkerwanderung großen Stils aufgemacht, dabei das Hethiterreich in Kleinasien zerstört, den syrischen Raum überrollt und schließlich Ägypten bedroht. Die erfolgreiche Abwehr dieser „Seevölker“ erscheint an den Tempelwänden des Millionenjahrhauses (Totentempel) Ramses’ III. in Text und Bild eindrucksvoll dokumentiert. Nach ihrer Bezwingung habe derselbe Pharao die Philister als Vasallen und zur Unterstützung des ägyptischen Heeres im südlichen Palästina angesiedelt. Andere Seevölker seien schließlich nach Westen abgeschlagen worden und hätten u.a. Sizilien, Sardinien und Etrurien besiedelt.
Die Philister unter den "Seevölkern"
Der Ausdruck „Seevölker“ beruht auf Angaben aus den ägyptischen Texten, die von Gruppen „vom Meer (jm)“, „vom Großen Grün (wAD wr)“, bzw. „von (den) Inseln inmitten des Großen Grün (jw.w Hrj.w-jb wAD wr)“ sprechen. Man hat zum einen versucht, diese Angaben als Bestätigung für eine Lokalisierung auf Kreta und im Ägäisraum hin zu verstehen. Andere unterlegen ihnen das altägyptische Bild vom Kosmos, wonach die Erde von einem Urozean umgeben wird. Die Bedrohung durch die „Seevölker“ soll so auf eine mythische Ebene übertragen werden: „Es ist allein ihre Herkunft aus den mythischen Fernen des Nordens jenseits der bekannten Welt gemeint“ W. Helck, Die Beziehungen Ägyptens und Vorderasiens zur Ägäis, Darmstadt 1979, 34).
Die ägyptischen Quellen nennen zusammen mit den Philistern ("Peleset", P-r-s-t) eine ganze Reihe von weiteren Gruppierungen: Die "Aqawas" (A-o-w-S) werden meist mit den Achäern in Verbindung gebracht, die "Daynu" (d-jn-jw) mit den Danaern oder mit der südanatolischen Stadt Adana, die "Wasas" (W-S-S) möglicherweise mit Issus, die "Luku" (R-k-w) mit dem kleinasiatischen Lykien, die "Tursa" (&-r-S) mit den späteren Etruskern, die "Sarden" (^-r-d-n) mit Sardinien, die "Sikeles" (^-k-r-S) mit Sizilien, während sich die "Siker" (§-k-r) schließlich einer überzeugenden Zuordnung noch entziehen.
Was den Hergang des angeblichen Seevölker-Sturmes angeht, so wird inzwischen von archäologischer Seite ein erheblich differenzierteres Bild angemahnt. Von einem durchgehend einheitlichen Zerstörungshorizont kann zur fraglichen Zeit weder in Anatolien, noch in Syro-Palästina die Rede sein. Möglicherweise ist eher mit wiederholten Einfällen von marodierenden Gruppen zu rechnen, im Sinne von Seeräuberattacken über einen längeren Zeitraum hin, aber nicht im Sinne eines epochalen Völkersturms.

Die Keramik der Philister

Die Sprache der Philister
Sehr wenig ist bisher über die ursprüngliche Sprache der Philister bekannt, die sie aus ihren Herkunftsregionen mitbrachten, als sie sich in Kanaan niederließen. Diese Sprache war sicherlich nicht semitisch, vermutlich war sie indoeuropäisch und vielleicht mit mykenischem Griechisch oder mit anatolischen Sprachen verwandt. Schon sehr schnell übernahmen die Philister dann zunächst die einheimische, kanaanäische Alfabetschrift, und allmählich auch mehr und mehr die semitische Landessprache. Aus der späteren Eisenzeit sind mehrere, meist nur kurze Inschriften bekannt, die sich in Schrift und Sprache kaum von Hebräisch oder Phönizisch unterscheiden. Ältere Schriftfunde gelangen bisher nur sehr selten. Eine Inschrift, die 2005 auf dem Tell es-Safi gefunden wurde, ist vor diesem Hintergund von unschätzbarer Bedeutung. Sie ist bereits in kanaanäischer Alfabetschrift verfasst, nennt aber offenbar Namen in der ursprünglichen Sprache der Philister.

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