GOLIAT IM KORAN


Der Koran führt Saul, als ersten König der Israeliten, unter dem Namen Talût ein, d.h. auf Arabisch "der Hochgewachsene". Seine überragende Körpergröße hebt auch die Bibel ausdrücklich hervor (1 Sam 9,2). Bei dieser arabischen Namensgebung kommt zudem eine Angleichung der drei Namen Talût (Saul), Dawûd (David) und Dschalût (Goliat) zum Tragen.
Die David-Goliat-Erzählung folgt im Koran unmittelbar auf die Einführung Sauls als König.
Zu den Versen 246-247 vgl. 1 Sam 8,19f, 9,1f.15-17.
Das Motiv von der Verpflichtung zum Kampf "für die Sache Gottes" hebt auch die Bibel gerade unter Saul ganz besonders hervor (vgl. den Kampf gegen Amalek, 1 Sam 15).
Die Episode von der Musterung weniger Kämpfer, deren Vertrauen auf Gott im Angesicht einer übermächtigen Bedrohung hervorgehoben wird, schreibt das Alte Testament dem Richter Gideon zu (Ri 7,2-7). Der Koran legt keinen Wert auf eine historische oder geografische Einordnung; es geht ausschließlich um die Inhalte, von denen ein historisierender Kontext ablenken könnte.
Es werden weder Samuel noch die Philister beim Namen genannt, noch spielen die Orte des Geschehens irgendeine Rolle.
Auch auf Einzelheiten von Davids Vorgehen gegen Goliat verzichtet der Koran, dem es nicht so sehr auf Mut und List eines Einzelnen, sondern auf das bedingungslose Vertrauen auf Gott auch gegen widrige Umstände in scheinbar aussichtsloser Lage ankommt.
David selbst gilt als weiser und gerechter Herrscher, in erster Linie aber auch als Profet, dessen Größe und Bedeutung in seiner Verkündigung liegt. Muslimen gilt der Psalter als das Buch Davids, und als eine der bedeutendsten Offenbarungsschriften von denen, die vor Muhammad herabgesandt wurden (vgl. Sure 4,163, 34,10). Zusammen mit der Tora als dem Buch des Moses und dem Evangelium als dem Buch Jesu macht er für sie das Wesentliche an der Bibel aus.

(vgl. dazu S.J. Wimmer/S. Leimgruber, Von Adam bis Muhammad. Bibel und Koran im Vergleich, Stuttgart/München 2005)

 

Sure 2 (Die Kuh), 246-251

246 Hast du nicht erfahren, dass einige Notabeln der Kinder Israels nach Moses' Zeit Merkwürdiges taten? Sie sagten ihrem Propheten: "Bestimme uns einen König, damit wir für die Sache Gottes kämpfen können!" Ihr Prophet sprach: "Werdet ihr wirklich kämpfen, wenn euch der Kampf vorgeschrieben wird, oder werdet ihr nicht kämpfen?" Sie sagten: "Warum sollten wir denn nicht für die Sache Gottes kämpfen? Der Feind hat uns doch aus unseren Häusern vertrieben und uns von den Unseren getrennt. " Als sie jedoch zum Kampf verpflichtet wurden, liefen sie, mit wenigen Ausnahmen, davon. Gott kennt die Frevler genau.
247 Ihr Prophet sprach zu ihnen: "Gott hat Saul (Talût) zu eurem König bestimmt. " Da sagten sie: "Wie kann er unser König werden? Wir haben eher Anspruch auf die Herrschaft als er, da er nicht so viel Besitz hat wie wir. " Ihr Prophet sprach: "Gott hat ihn vor euch (zum König) auserkoren, weil er über mehr Wissen verfügt und von mächtigerem Körperbau ist. " Gott gewährt Seine Herrschaft wem Er will. Gottes Huld und Wissen sind unermeßlich.
248 Ihr Prophet sprach zu ihnen: "Der Beweis für seine (Sauls) Bestimmung zur Herrschaft über euch besteht darin, daß er euch die (vom Feind einst erbeutete) Bundeslade wieder beschaffen wird. Die Engel tragen sie zurück. Sie enthält etwas vom Nachlass der Sippen Moses' und Aarons. Sie gewährt euch Sakîna (göttliche innere Ruhe) von eurem Herrn. Das ist ein Beweiszeichen von Gott, wenn ihr Gläubige seid."
249 Als Saul mit den Streitern (zum Kampf) auszog, sprach er zu ihnen: "Gott wird euch an einem Fluss prüfen. Wer daraus (mehr als eine Handvoll) trinkt, gehört nicht zu mir, und wer nicht (mehr als eine Handvoll) daraus trinkt, ist einer der Meinen. Sie tranken über das Maß davon, nur wenige hielten das Gebot ein. Mit den Wenigen, die sich bewährten und glaubten, überquerte er den Fluss.
Sie sagten (als sie Goliat und seine Kämpfer erblickten): "Wir können Goliath und seine zahlreichen Kämpfer heute nicht bezwingen. " Diejenigen unter ihnen, die darauf vertrauten, dass sie Gott einmal (am Jüngsten Tag) begegnen würden, sagten: "Wie oft bezwang eine kleine Schar mit Gottes Willen eine große!" Gott ist mit den Standhaften. 250 Als sie auf Goliat und seine Kämpfer zumarschierten, beteten sie: "Unser Herr! Schenke uns viel Geduld und Mut, und hilf uns gegen das Volk der Ungläubigen!" 251 Sie besiegten sie mit Gottes Verfügung.
David (einer der Kämpfer Sauls) erschlug Goliat.
Gott gewährte David nach Sauls Tod Herrschaft und Weisheit. Er lehrte ihn, was Er wollte. Wenn Gott es nicht so einrichtete, dass die guten Menschen die bösen verdrängen und dass die Bösen einander bekämpfen, wäre die Erde voller Unheil. Aber Gott überhäuft die Welten mit Seinen Gaben. 

(Übs. nach Al-Azhar)

 

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